Blackbox Schufa: Exklusive Datenauswertung gibt Einblicke

Teams des SPIEGEL und des Bayerischen Rundfunks haben mehr als 2000 Schufa-Auskünfte analysiert

Ohne Schufa-Auskunft ist die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben kaum vorstellbar: kein Handyvertrag, kein Bankenkredit, kein Zahlen auf Rechnung im Online-Shop. Doch wie die Bewertungen von Deutschlands bekanntester Wirtschaftsauskunftei zustande kommen, ist intransparent – Geschäftsgeheimnis. Eine Datenauswertung von SPIEGEL und BR gibt nun Einblicke in diese „Blackbox“ und zeigt: Viele Menschen werden von der Schufa unverschuldet zum Risikofall erklärt. SPIEGEL ONLINE berichtet ab 17 Uhr in mehreren Artikeln über die Ergebnisse der Recherche.

Datenjournalisten von SPIEGEL und BR konnten einen Datensatz von mehr als 2000 anonymisierten Schufa-Auskünften auswerten. Die Auswertung ist nicht repräsentativ, aber es zeigt sich: In 12 Prozent – oder fast jedem achten – der untersuchten Fälle erhalten Verbraucher eine kritische Bewertung im Hinblick auf ihre Zahlungsfähigkeit, obwohl der Schufa keine Negativinformationen wie Zahlungsausfälle vorliegen. Die Schufa spricht in diesen Fällen von zufriedenstellendem bis erhöhtem oder gar hohem Risiko.

Die Auswertung der Schufa-Auskünfte zeigt weiter: Zu vielen Verbrauchern hat die Schufa nur wenige Daten gespeichert. Bei fast einem Viertel der Personen im Datensatz sind es maximal drei Informationen aus dem Wirtschaftsleben, etwa dass die Person ein Girokonto, einen Kreditkarten- und einen Handyvertrag hat. Ansonsten verfügt die Schufa in diesen Fällen nur über allgemeine Daten wie Adressen, Alter und Geschlecht. Trotzdem berechnet sie eine genaue Prognose der Kreditwürdigkeit. Wie die Schufa dabei vorgeht, kann sie als Geschäftsgeheimnis deklarieren – das bestätigt sogar ein Urteil des Bundesgerichtshofs von 2014.

Auf eine Anfrage zu ihrer Arbeitsweise antwortet die Schufa schriftlich, will aber nicht, dass aus dem Schreiben zitiert wird.

Ein Gutachten im Auftrag des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz kommt nun zu dem Schluss, dass die Schufa und andere Auskunfteien ihre Scoring-Verfahren gegenüber Verbrauchern transparenter machen sollten. Zugleich müsse die Aufsicht über die Auskunfteien verbessert werden.


Hamburg, 28. November 2018

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