SPIEGEL GESCHICHTE: „Geheimdienste“

Geheimdienste sind eine Parallelwelt im Verborgenen – umso schillernder ist ihr öffentliches Image: Es wird geprägt vom Glamour eines James Bond, von den Skandalen der amerikanischen CIA oder der angeblichen Skrupellosigkeit des israelischen Mossad. Die neue Ausgabe von SPIEGEL GESCHICHTE untersucht, was dieses Image mit der Wirklichkeit zu tun hat. Wie haben sich Ziele und Methoden der Spionage – angeblich das zweitälteste Gewerbe der Welt – über die Jahrhunderte verändert? Und sind Geheimdienste mit der Demokratie überhaupt kompatibel? Das Heft schildert die Historie der Späherinnen und Schnüffler, seit um 1500 ihr Wirken in den Quellen greifbar wird, bis in die Gegenwart, wo Unmengen digitaler Daten die Politik, aber auch die Dienste selbst, angreifbarer machen als je zuvor.

Schon die frühneuzeitlichen Großmächte setzten auf heimliche Kundschafter. Unter Queen Elizabeth I. entstand im 16. Jahrhundert der erste englische Geheimdienst, er fahndete nach Verschwörern, die es auf das Leben der Königin abgesehen hatten. Friedrich der Große setzte im 18. Jahrhundert erfolgreich auf geheime Diplomatie: Die Informationen und verdeckten Kontakte der Kundschafter bahnten den Weg für seine militärischen Erfolge und den Aufstieg Preußens zur europäischen Großmacht. Auch der Siegeszug des Franzosen Napoleon wäre ohne Agenten nicht denkbar gewesen; einer seiner besten war ein Schmuggler aus Baden. Doch erst als die internationalen Verflechtungen im 20. Jahrhundert immer enger wurden, etablierten sich Auslandsgeheimdienste als eigenständiger Arm des Staates – neben Diplomatie und Militär. Einige Spione und Agentinnen wurden nun tragisch berühmt, wie die ehemalige Nackttänzerin Mata Hari, die im Ersten Weltkrieg eher dilettantisch für die Deutschen schnüffelte, oder Paul Sorge, der im Zweiten Weltkrieg unter Einsatz aller Kräfte in Japan entscheidende Informationen für die Sowjetunion beschaffte. Ein Coup, der noch jahrzehntelang geheim gehalten wurde, war die Entschlüsselung der deutschen Chiffriermaschine Enigma durch ein britisches Team um den Mathematiker Alan Turing, ein entscheidender Schritt zum Sieg der Alliierten.

Glamour, das zeigt der Blick in die Geschichte, versprach die Agententätigkeit eher selten. Doch an Skandalen ist die Spionagehistorie reich. Immer wieder überdehnten die Dienste ihre Kompetenzen, zettelten Kriege an oder begingen Verbrechen, etwa in der Iran-Contra-Affäre, als das CIA an Drogendeals beteiligt war. Und in Afghanistan fochten die amerikanischen CIA und der sowjetische KGB bis 1989 einen regelrechten Agentenkrieg aus – hier wurden die Dienste zu unsichtbaren Strippenziehern in der Weltpolitik, mit Folgen bis heute.

Sollten demokratische Staaten angesichts solcher Auswüchse überhaupt noch mit Spionen arbeiten, die der öffentlichen Kontrolle ja weitgehend entzogen sind? Das sei eine ausgesprochen deutsche Frage, sagt der Potsdamer Historiker Sönke Neitzel im Interview – und erläutert, warum das Verhältnis der Deutschen zu ihren Geheimdiensten ohnehin ein spezielles ist.

SPIEGEL GESCHICHTE „Geheimdienste. Von 1500 bis heute: Die Schattenwelt der Spionage“ erscheint am 24. September 2019 zum Copypreis von 8,50 Euro. Die digitale Ausgabe ist bereits heute ab 18 Uhr verfügbar.


Hamburg, 23. September 2019
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