SPIEGEL GESCHICHTE: „Unser Italien! Chronik einer turbulenten Beziehung“

Azurblaues Meer, „dolce vita“ und uralte Kultur – Italien ist das Sehnsuchtsland der Deutschen schlechthin. Doch die Liebe ist kompliziert, denn immer wieder ist da auch die Skepsis: Angebliche Korruption, Unzuverlässigkeit, Schlamperei, auch das verbinden wir mit dem Land im Süden. Woher stammen die hartnäckigen Klischees über Italien? Und wie hat sich das Verhältnis der beiden Länder im Laufe der Geschichte entwickelt? Antworten darauf gibt die neue Ausgabe von SPIEGEL GESCHICHTE „Unser Italien! Chronik einer turbulenten Beziehung“.

Das Heft erzählt, wie das Staunen in der Zeit Karls des Großen begann: Der Frankenkönig eroberte das norditalienische Reich der Langobarden – und stellte überrascht fest, dass dort die antike Kultur vielerorts weiter blühte. Er holte Wissenschaftler und Künstler über die Alpen, gliederte Norditalien in sein Herrschaftsgebiet ein und stellte sich selbst in die Tradition der römischen Kaiser – der Grundstein für das „Heilige Römische Reich“, das im Mittelalter nicht ohne seine Beziehung zu Italien und vor allem zum Papst in Rom denkbar war.

In der Renaissance schwappten erneut Trends in Architektur und Kunst nach Norden, ebenso wie neue Methoden im Bankwesen und im Handel, von denen auch Kaufmannsfamilien wie die der Fugger in Augsburg profitierten. Deutsche Humanisten aber prägten im 16. Jahrhundert das Bild von der „glanzvoll kaschierten Unmoral“ der Italiener, wie der Historiker Volker Reinhardt im Gespräch erläutert.

Spätestens damit war das Misstrauen gesät, auch, wenn das Schwärmen und Schwelgen nie abebbte. Reisende wie Johann Wolfgang von Goethe, der im „Land wo die Zitronen blüh’n“ zu ganz neuen Einsichten über sein Leben kam, berichteten von den Wundern des Südens. Und Demokraten und Liberale wie die aus Kassel stammende Malwida von Meysenbug blickten um 1848 ehrfurchtsvoll auf die Italiener, deren Bestrebungen nach einem eigenen Nationalstaat weit mehr Dynamik entfalteten als die parallelen Bemühungen in Deutschland.

Die neue Ausgabe von SPIEGEL GESCHICHTE beleuchtet, wie sich das Verhältnis der beiden Länder in den Kriegen des 20. Jahrhunderts veränderte – seit dem 1. Weltkrieg galten die Italiener als „Verräter“ und nach anfänglich freundschaftlichen Kontakten zwischen den Diktatoren Hitler und Mussolini kam es zu schrecklichen Kriegsverbrechen durch deutsche Soldaten. Das Heft erzählt von den Wanderarbeitern aus venezianischen Tälern, die ihr Eis nördlich der Alpen verkauften und damit eine Ahnung vom süßen Leben in den kalten Norden brachten. Es zeichnet die Geschichte württembergischer Auswanderer nach, die Taormina am Ätna zum Sehnsuchtsort deutscher Prominenz machten, und es erinnert an die Schlager, die seit den Fünfzigerjahren das Fernweh noch einmal ganz neu entfachten.

Sorgfältig recherchierte Texte, Interviews mit renommierten Experten und Berichte von SPIEGEL-Autoren und -Korrespondenten fächern das Panorama der deutsch-italienischen Geschichte vom Mittelalter bis in die Gegenwart auf – und regen dazu an, die gängigen Italien-Klischees zu hinterfragen.

SPIEGEL GESCHICHTE „Unser Italien! Chronik einer turbulenten Beziehung“ erscheint heute zum Copypreis von 8,50 Euro.


Hamburg, 27. Mai 2019

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