SPIEGEL GESCHICHTE: „Jüdisches Leben in Deutschland“

In einer Zeit, in der Politiker die „christlich-jüdische“ Tradition beschwören, in der aber auch Antisemitismus wieder schamlos zutage tritt, liefert die aktuelle Ausgabe von SPIEGEL GESCHICHTE „Jüdisches Leben in Deutschland. Die unbekannte Welt nebenan“ Hintergrundwissen und Argumente gegen vorschnelle Erklärungen und Vorurteile. Denn deutsche Geschichte ist auch jüdische Geschichte: Bereits im Jahr 321 lebten Juden in Köln. Kaufleute brachten den Handel in den mittelalterlichen Städten in Schwung, Bankiers finanzierten den Aufstieg der frühneuzeitlichen Staaten mit, Philosophen und Salon-Damen gaben Impulse für die Aufklärung, Wissenschaftlerinnen und Forscher entdeckten Bahnbrechendes, viele Werke jüdischer Autoren gehören zum literarischen Kanon – und das sind nur wenige Beispiele. Doch die deutsch-jüdische Geschichte ist auch durchsetzt von Hass und Gewalt. Schon im Mittelalter fielen Christen immer wieder über ihre jüdischen Nachbarn her. Lange blieb Juden die Gleichstellung als Staatsbürger verwehrt. Die Nationalsozialisten betrieben schließlich zwischen 1933 und 1945 die planmäßige Vertreibung und Vernichtung der Juden, den Holocaust. Seit diesem unfassbaren Verbrechen überschattet die Frage nach dem Warum die Vergangenheit wie die Zukunft.

SPIEGEL-Autoren berichten auf dem aktuellen Stand der Forschung, was Archäologen über den jüdischen Alltag in mittelalterlichen Städten herausgefunden haben. Sie erklären, warum es immer wieder zu Pogromen kam und erläutern, wie die Sprache Jiddisch vom „Judendeutsch“ zur Weltsprache wurde. Die aktuelle Ausgabe von SPIEGEL GESCHICHTE räumt darüber hinaus mit Mythen auf, etwa dass im Mittelalter nur Juden Geld verliehen oder dass sie nicht als Handwerker tätig sein durften. Und sie erzählt von Persönlichkeiten: Der Kauffrau Glickl etwa, die nach dem Tod ihres Mannes erfolgreich ihr Geschäft weiterführte.

Der Kampf um Religionsfreiheit und gleiche Rechte ist eines der zentralen Themen der deutsch-jüdischen Geschichte: Der Reformator Martin Luther forderte die Bekehrung der Juden und hetzte fürchterlich, als sie seiner Aufforderung nicht folgten. Der Aufklärungsphilosoph Moses Mendelssohn versuchte, die jüdische Kultur in die Gesellschaft zu integrieren und stieß auf beiden Seiten auf Widerstand. Im 19. Jahrhundert griff der rassistische Antisemitismus um sich, in Urlaubsorten wie Borkum wütete er besonders heftig. Aus Liebe zum Vaterland meldeten sich viele Juden im Ersten Weltkrieg zu den Waffen – aber auch in der Hoffnung, durch den Kriegsdienst endlich als gleichwertige Bürger anerkannt zu werden.

Ein eigener Teil widmet sich dem Holocaust. SPIEGEL-Autorinnen und -Autoren sprachen mit Überlebenden Zeugen des Grauens: Mit Jüdinnen und Juden, die trotz allem in Deutschland geblieben sind und die über die Jahre der Verfolgung, die Angst und die Trauer berichten – und wie sie heute damit leben.

Zuletzt schlägt das Heft den Bogen in die Gegenwart: Es erzählt von Kurt Teil, der aus Hamburg vor den Nazis flüchtete, nach dem Krieg als amerikanischer Soldat zurückkam – und nach NS-Tätern fahndete. Es beschreibt, wer die Erinnerung an die jüdische Vergangenheit auf Frankfurter Friedhöfen pflegt. Und es portraitiert den jungen Berliner Autor Max Czollek, der im „Gedächtnistheater“ nicht länger mitspielen will und deutsche Juden zur Desintegration aufruft.

SPIEGEL GESCHICHTE „Jüdisches Leben in Deutschland. Die unbekannte Welt nebenan“ erscheint am 30. Juli 2019 zum Copypreis von 8,50 Euro. Die digitale Ausgabe ist bereits heute ab 18 Uhr verfügbar.


Hamburg, 29. Juli 2019

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